Mirco Müller ein Top-10-Pick und Drafting-by-Need

Die Philadelphia Flyers liessen sich im Rahmen des NHL Draft 2013 von einem Kamera-Team der NHL verfolgen und hinter die Kulissen blicken. In einer mehrteiligen Serie werden die Aufnahmen nun unter dem Namen „Flight Plan“ veröffentlicht. In der ersten Ausgabe geht es um das Abschluss-Meeting der Flyers-Scouts, welche sich alle treffen, um die Draft-Liste fertig zu machen. Aus Schweizer Sicht dabei besonders spannend: Der Name Mirco Müller fällt mehrmals.
Leider sind die Aufnahmen verschwommen, doch wenn man dem Meeting aufmerksam zuhört und die Namen versucht zu entziffern, kann man sich die Liste selbst zusammen stellen. So sieht das Top-12-Ranking der Flyers wie folgt aus (in Klammer Team und effektive Draft-Position):

1. MacKinnon (COL 1)
2./3./4. Drouin (TBL 2) / Jones (NSH 4) / Lindholm (CAR 5)
5. Barkov (FLA 3)
6. Morin (PHI 11)
7. Mueller (SJS 18)
8. Zadorov (BUF 16)
9. Ristolainen (BUF 8)
10. Nurse (EDM 7)
11. Monahan (CGY 6)
12. Morrissey (WPG 13)

Das heisst also, dass aus Sicht der Flyers Mirco Müller ein Top-10-Pick war. Wie man hören konnte, war Mark Greig, WHL-Scout der Flyers, sogar davon überzeugt, dass Müller besser einzustufen sei als Morin. Somit wäre Müller sogar beinahe in die Top-6 der Flyers vorgestossen. Dass er letztlich aber bis Pick 18 „fiel“, hat wohl damit zu tun, dass viele Teams Müller nicht derart hoch eingestuft hatten.

Was mich zum zweiten Punkt des Posts bringt: Im Rahmen des Drafts hört man immer, dass die Teams „Best-Player-Available“ (BPA) draften werden und nicht nach Bedürfnis (Need) gehen werden. Dies wird wohl durchaus gemacht und ist nicht zu verachten. Die Reihenfolge und Definition davon, welcher nun denn aber der beste verfügbare Spieler sein soll, das beinflussen die Teams und deren Scouts dann aber doch wieder selbst. Wie im Video hervor geht, war Sean Monahan zu Beginn des Meetings noch auf Platz 6. Im Laufe der Diskussionen wurde er dann nach hinten gereicht und plötzlich waren mit Morin, Müller, Zadorov, Ristolainen und Nurse gleich fünf Verteidiger vor ihm und mit Morrissey einer direkt hinter ihm. Somit hatte Philadelphia in den Top-12 total sieben Verteidiger und in den Plätzen 6 bis 12 insgesamt sechs Verteidiger und ein Stürmer.

Was sagt uns dies? Philadelphia rechnete sicher nicht damit, an Nummer 11 noch einen der Top-Spieler zu kriegen (MacKinnon, Drouin, Barkov, Lindholm, Jones) und erwartete auch nicht, sich in die Top-5 zu traden. Wie aus der Draft-Liste dann hervor geht, wollten sie aber unbedingt einen Verteidiger ziehen. So gesehen, hat Philadelphia letztlich mit Samuel Morin zwar schon den besten verfügbaren Spieler auf der eigenen Liste gezogen, sie haben das Ranking aber stark nach Ihren Wünschen gestreckt und gedehnt, dass auch sicher ein Verteidiger in ihren Schoss fallen sollte. Der Grund dafür ist simpel: Chris Pronger wird wohl nie mehr spielen, Mark Streit ist 35, Kimmo Timonen ist 38, Coburn und Grossman 28 und Meszaros 27. Einen High-Profile Defensive-Prospect gibt es ebenfalls nicht.

Wir lernen also: Die Teams draften zwar den besten Spieler auf der eigenen Liste, lassen sich beim Erstellen des Rankings aber doch stark von den Bedürfnissen der Franchise und des General Managers leiten.