Die NHL geht nach Sotchi

Mitte Juli hat die NHL endlich verkündet, was viele Fans, Spieler und teilenehmende Nationen sehnlichst erhofft und erwartet hatten. Nämlich, dass die NHL ihre Qualifikation/Regular Season im Februar unterbricht und den NHL-Spielern erlaubt an den Olympischen Winterspielen in Sotchi, Russland teilzunehmen.

Lange wurde diskutiert, aber es war eigentlich schon lange klar, dass die NHL pausieren würde und ihre Spieler für die Spiele ziehen lassen wird, wie sie das seit Nagano 1998 getan hat. Und zwar aus folgenden Gründen: 

  • Der TV-Hauptsponsor der NHL, welcher für die Liga jährlich eine ordentliche Stange Geld generiert, heisst NBC, welcher auch der Besitzer der TV-Rechte für die Olympischen Spiele ist. Somit wäre wohl NBC der erste welcher die Wände rauf wäre, hätte sich die NHL gegen eine Teilnahme entschieden.
     
  • Die Spieler, allen voran die Russen, wollten teilnehmen, nicht nur um ihr Land zu vertreten und eine Chance auf eine Olympia Medaille zu haben, sondern ist es auch für die nicht teilnehmenden eine wohlverdiente Pause in einer strengen NHL-Qualifikation mit vielen Spielen und teilwiese langen Reisen. Teils Spieler, wie z.B. der Russe Alexander Ovechkin hatten sogar schon eine Zusage vom Besitzer der Capitals, dass er während den Olympischen Spielen die Freigabe erhalten wurde. Dies hätte den Druck auf andere Teams wohl erhöht und sie hätten fast nachziehen müssen… 

Die NHL wusste um die Situation und versuchte trotzdem irgendwie das Internationale Olympische Komitee (IOK), einer der mächtigsten Sportverbände der Welt, irgendwie zu melken. Das IOK besitzt in Lausanne eines der grössten Sportarchive der Welt, behält aber die Rechte und jegliches TV-Material für sich und sitzt so auf einem Milliarden-Schatz an Merchandising und TV-Highlights (übrigens ist ab Herbst 2013 das Olympische Museum in Lausanne modernisiert und kann wieder besucht werden und somit ein Grossteil der Highlights wieder zu bestaunen – def. eine Reise Wert und etwa mit der Hall Of Fame in Toronto vergleichbar). 

Aber was waren denn eigentlich die Forderungen der NHL an das IOK, damit die NHL-Spieler, welche definitiv eines der Zugpferde der Winter-Olympiade sind, an den Spielen teilnehmen?

  • Die NHL sagt sich, dass wenn sie schon eine der Hauptattraktionen der Spiele sind, dann soll das IOK auch einen Teil der Reisekosten für die NHL-Spieler, NHL-Staff, sowie den NHL-Executives übernehmen. Ausserdem hätte das IOK die Versicherungen der Spieler während der Zeit übernehmen sollen. Diese Fallen zurzeit auf die einzelnen Hockey-Verbände ab, womit z.B. die Swiss Ice Hockey Association (SIHA) die Verträge von u.a. Roman Josi, Rafael Diaz, Jonas Hiller oder Nino Niederreiter übernehmen müssten. Gem. Aussagen von Agenten während des Lockouts, geht es da um sehr viel Geld pro Spieler:

When some players were thinking about heading to Europe to play during the lockout, a couple of agents told QMI Agency some of the highest earners were looking at paying in the area of $50,000-$75,0000 in insurance premiums a month to cover their contracts in the event of injury.

  • Ebenfalls forderte die NHL vollumfänglichen Zugriff auf jegliches Highlight-Material welches das IOK besitzt und verwaltet. Dies würde der NHL und ihrem Sender NHL-Network automatisch in Sachen TV und Multimedia-Tools einen massiven Boost geben. Ausserdem würde die NHL ihr eigenes Produkt während der Zeit in der die Liga stillsteht weiter publizieren und vermarkten können.
  • In erster Linie sieht die NHL natürlich den Unterbruch ihrer Saison und sagt sich in erster Linie, dass dieser Unterbruch, welchen sie für das IOK und die Spiele macht sie eine ordentliche Stange Geld kostet. Dementsprechend möchte die NHL entschädigt werden und geht sogar den Schritt und fordert Geld vom IOK.

The N.H.L. may also be seeking some form of financial compensation or increased perquisites for participating in the Olympics. René Fasel, the president of the I.I.H.F., said in 2011 that such an arrangement was out of the question.

„The money should not be an issue because the issue is solved,“ Fasel said then. „We do not have any money, and it is very easy.“

Das IOK sieht natürlich auch die Gefahr, dass wenn sie der NHL zu viele Zusprüche gibt, andere Ligen welche ihre Spieler an die Olympischen Spiele senden die gleichen Forderungen stellen. Das IOK argumentiert somit auch, dass z.B. die NBA seit Jahren ihre Profis an die Sommerspiele lässt und sie keine solchen Sonderwünsche stellt. Mit dem grossen Unterschied, dass die NBA während der Sommer-Olympiade nicht extra die Saison unterbrechen muss und somit die Spieler während der Zeit „ungebunden“ sind, da die Saison in der Sommer-Pause ist. Ein weiteres vergleichbares Beispiel ist die FIFA, welche das Fussball-Turnier der Sommer-Olympiade nicht in den Internationalen Spielkalender aufnimmt und die verschiedenen Fussball-Ligen somit nicht verpflichtet sind in der Zeit zu pausieren. Deshalb findet lediglich ein u23-Turnier statt, jedoch spürt auch dieses Turnier immer mehr Gegenwind, da die verschiedenen Vereine teils ihre Spieler auch nicht freigeben möchten. 

Inzwischen ist nun klar, dass die NHL ihre Saison unterbrechen wird und an Olympia wieder ein hochstehendes, wenn nicht eines der besten Hockey-Turnier aller Zeiten stattfinden wird. Was für Zusicherungen die NHL nun erhalten hat, ist bisher noch nicht an die Öffentlichkeit gedrungen. Es ist jedoch sehr gut möglich, dass die NHL gar nichts erhalten hat und schlussendlich dem eigenen Druck, nämlich der rechtzeitigen Veröffentlichung ihres Regular Season-Spielplans und das weiterhin gute Verhältnis zum TV-Sponsor NBC aufrecht zu halten, erlegen ist und nachgegeben hat.