Wenn sich Agenten einmischen

Agenten vertreten die Anliegen ihrer Klienten und versuchen diese bestmöglich zu verkaufen. Es gehört auch zu ihrem Job, für den Spieler einen möglichst guten Vertrag auszuhandeln, damit dieser angemessen (oder manchmal auch fürstlich) entlöhnt wird. Manchmal stellen Agenten ihren Klienten aber auch wieder mal ein Bein. So geschehen: Gestern. Ben Hankinson, der Agent von Leafs-Prospect Jake Gardiner, verschaffte seinem Wunsch mit einem Tweet Ausdruck:

#FreeJakeGardiner
#FreeJakeGardiner

Damit erinnert er stark an Allan Walsh, welcher damals in Montreal seinen Schützling Jaroslav Halak in den Himmel lobte und auf Schwächen von Carey Price hinweisen wollte. Walsh ist allgemein sehr aktiv auf Twitter und lobiert immer wieder für seine Spieler. Halak wurde letztendlich trotz eines grandiosen Playoff-Frühlings aus Montreal weg getradet. Die Canadiens und ihre Fans dürften rückblickend mit diesem Trade äusserst zufrieden sein. Price ist der prognostizierte Rückhalt und Montreal erobert dieses Jahr die Eastern Conference.

Nützen solche öffentlichen Meinungsäusserungen der Agenten überhaupt etwas? War die Aktion von Hankinson förderlich für das Wohl von Gardiner? Gardiner hat bei den Marlies 30 Punkte in 40 Spielen und hat nach seiner Gehirnerschütterung sicher den Tritt wieder gefunden. Der Agent und der Spieler sind sicher gewissermassen ein wenig frustriert darüber, dass die Leafs-Entdeckung der letzten Saison bisher noch nicht gross zum Zuge kam. Doch dürfte der Tweet von Hankinson eher hinderlich sein, dass sich daran bald was ändert.
Die Leafs haben derzeit Erfolg. Warum sollen sie also was ändern? Wenn sich GM Dave Nonis nun beugt und Gardiner ins Team beruft, signalisiert er jedem Agenten, der Spieler bei den Leafs hat, dass er gerne mit sich spielen lässt. John-Michael Liles und Mike Komisarek sind zwei gestandene NHL-Veteranen. Es wird nicht lange dauern, bis auch sie über ihre Agenten ihren Unmut äussern werden und nach einer besseren Rolle im Team verlangen. Und von da an nimmt das Domino seinen Lauf.

Eine ähnliche Situation erlebten wir Schweizer Ende Januar: André Rufener, Nino Niederreiters Agent, forderte öffentlich einen Trade von Nino, weil er damit unzufrieden war, dass „El Niño“ nicht ins NHL-Team berufen worden war. Bis heute spielt Niederreiter weder bei den Islanders noch in einer anderen NHL-Organisation. Er ist immer noch dort, wo es die Islanders für seine Entwicklung am besten halten: In der AHL bei den Bridgeport Sound Tigers.

Basierend auf dem bisherigen Erfahrungsschatz kann also erwartet werden, dass sich an der Situation für Gardiner kurzfristig nichts ändern wird. Viel mehr sollten die Agenten Vorsicht walten lassen, wenn sie sich öffentlich zu Wort melden und ihren Spielern im Endeffekt wohl sogar einen Bärendienst erweisen.